Gottesbegegnung

17/07/2012 | Leben und Tod

Jetzt nach drei Monaten, ist mir vom Ausflug aus meinem Körper dieselbe Überzeugung  geblieben, wie damals: der Himmel, das heißt Gott, ist wesentlich und wirklich anders als vorher. Er ist die unbeschreibliche und unbegrenzte Macht der kreativen  Liebe, die einzige Wahrheit, in völliger Identität mit der Liebe als absoluter Seinsweise.

          Völlig frei von Raum-  und Zeitkategorien. Unvorstellbar, nur erfahrbar, nicht rational erklärbar, weder philosophisch noch theologisch oder tiefenpsychologisch. Eine ganz andere Ebene. Die allerhöchste Ebene des göttlichen Seins, woraus alles unerklärbar evident erscheint, dass die Wahrheit die Liebe ist, weshalb Jesus sagen kann: «Ich bin die Wahrheit, das heißt, ich bin die Liebe, aus welcher alles erklärbar ist, was ist».  Der Logos, wodurch alle Wahrheiten eins sind. Das inacessibile Lumen ist eben der Himmel – Gott selbst – wo alle Geister ihren Sitz haben.  Eben dadurch, daβ dem Licht als Ursprung keine Grenzen gesetzt werden können, gibt es für X-Milliarden Geister kein Problem mehr.

          Das Sein Gottes ist von seiner Natur aus grenzenlos.  So wirkt und bewirkt diese Vision eben die absolute Überzeugung, dass es auch für die Gerechtigkeit Gottes kein Problem gibt.  Eine einfache direkte Konfrontation mit der Allmacht-Liebe lässt die Notwendigkeit von Gerechtigkeit in unserem Sinne und Verständnis verschwinden.  Die Liebe selbst in ihrer Absolutheit ist die größte mögliche Strafe für denjenigen, der sie nicht erkannt und in seinem Leben nicht anerkannt hat.

Die Demütigung unseres Stolzes vor dieser grandiosen und  unbegreiflichen Macht der Liebe ist eine reinigende Strafe als das Feuer sein könnte.

          Der Mensch ist im Himmel Geist, Abbild Gottes, egal ob heilig oder Sünder, und in dieser Geistesnatur vollzieht sich die Reinigung als Strafe.  Und Gott, der keine Rache braucht, offenbart sich hierin eben als Supermacht seiner göttlichen Natur.  Hierin liegt auch seine unvergleichbare Glorie. Seit drei Monaten bleibt es dabei: unbegreifliches Licht in einer undendlichen Weite und Fülle.

          Unzählbare Menschengestalten in Bewegung.

Mein staunendes, überglückliches Schauen wurde durch eine Gewissensentscheidung – weiter auf  Erden priesterlich zu arbeiten – abgebrochen und meine Reise zur Erde zurück begann.

          Bis ich auf der dunklen Erde eine große Pforte und eine alte Mauer sah, an deren Ende ein Mann mit Bart stand – nach seiner statuarischen Identität an Paulus erinnernd – der mir freundlich schweigend seine Hand anbot und mir beim Entgegennehmen alle Schmerzen und Sorgen abfielen.  Es war mir klar: ich musste hier unten noch weiter arbeiten.

          Und damit hörte die Vision auf.

Ein Traum endet und damit sein Einfluss.

Dieser Ausflug,  31 Minuten Herzstillstand, hat aber sehr starke Wirkung gebracht. Ich bin von innen völlig frei geworden, spürbar verändert.  Meine Wertvorstellungen von Kirche und Tugend sind ganz anders geworden.  Meine Verbindung mit Gott ist eine andere und damit auch meine Verbundenheit.

          Angstlos, vertrauensvoll wie nie zuvor, keine Angst vor dem Tod, freiere innere Haltung kirchlicher Autorität gegenüber. Im großen und ganzen eine radikale Änderung meiner Ansichten über Kirche und Glaubensgemeinschaft: menschlicher und natürlicher, spontaner und persönlicher.

Autorität mehr als Funktion, denn als Würdestand betrachten und begegnen.

Einfachheit des Evangeliums, tiefer Respekt für den Kleinsten!

          In der Zukunft: alle Kraft in die Wahrheit der Liebe investieren!

Kranke als Auserwählte sehen und ihnen so begegnen!

Bei den Gläubigen die Angst vor Kirche und Sünde wegnehmen und mehr Vertrauer in Gottes Liebe für jeden wecken!

Nächstenliebe als Prüfstein für Gottesliebe verkünden!

P. Cornelius Dings  SSS