Was ist ein Priester?

30/12/2011 | Deutsch | Leben und Tod

(P. Cornelius Dings SSS) 

Gott selbst als Schöpfer der Menschen kann und konnte kein Priester sein, deshalb wurde sein Sohn Mensch, damit es einen Priester gäbe.  Paulus schreibt: der Priester ist ein Mensch, aus den Menschen genommen, für die Menschen bestellt.

So darf man sagen: ein Priester ist soviel Priester als er Mensch ist, und soviel weniger Priester als er weniger Mensch ist! Wehe ihn, wenn er seine Menschlichkeit verlieren oder aufgeben würde, um mehr Priester sein zu können oder wollen.  Wenn dies nicht so wäre, dann wäre die Menschenwerdung Gottes eine Farce!

Das was einen Priester zum Priester macht, ist seine Bereitschaft, – eben als Vermittler zwischen Gott und Mensch, und umgekehrt zwischen Mensch und Gott, – um bei Gott für seine Schäflein einzutreten. So wie es ihm von Jesus, dem einzigen Hohepriester, vorbildlich gezeigt worden ist. Auch und sogar besonders da, wo die Not, die seelische Not, nicht mehr aus dem Kirchenrecht und lauter menschlichem Verständnis gelindert werden kann. Dort, wo sein unerschütterliche Glaube an die schöpferische Macht der göttlichen Liebe jedes Urteil des nur rechtlichen denkenden Menschen lächerlich macht. Dort wo er im Glauben en seinen liebenden Gott den Mut findet zu entscheiden, wo es gilt Menschen, die Mit-Menschen von ihren Ängsten zu befreien, von Lebensangst wie von Todesangst. Denn auch der Priester ist nur soviel Mensch als er Mit-Mensch ist!

Und Mit-Mensch ist er soviel, als er die Kunst des Dienens beherrscht.  In diesem Geist des Dienstes dient er auch dem GEIST, Gott selbst, der in der Schöpfung des Menschen den höchsten Dienst am Geschöpf leistete.  Daher stammt auch die christliche Logik, daβ der Dienende der erste ist.  Das haben wir beim letzten Abendmahl, beim ersten Feier der heiligen Eucharistie gehört, von Jesus selbst!

Papst Paul VI. hat einmal in Rom während einer Pfingstmesse in Petersdom gesagt: In der katholischen Kirche gibt es keine Autorität, die nicht Dienst ist! Ich höre diese Worte heute noch laut klingen…

Ein französischer Bischof schrieb: Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!Wenn es stimmt, dass der Geist nur lebendig macht, weil das Leben auch nur aus dem Geist erklärbar ist (das Fleisch, die Materie bringt nichts), dann ist es auch eben der Geist des Dienens, der die KIRCHE LEBENDIG macht. Daran werden die Menschen erkennen, daβ ihr meine Jünger seid… Es gibt keine Macht in der Kirche, nur Gott ist all-mächtig, braucht keine Macht neben sich.  Sein Geist wirkt dort, wo unser Glaube lebt…

Und das ist doch unser Glaube: dass wir Menschen von unsrem Schöpfer so sehr geliebt sind, daβ ER seinen einzigen Sohn in unsere Welt geschickt hat, um mit uns zusammen MENSCH  zu sein, in derselben Freude worin er mit seinem Vater GOTT ist!  Das Geheimnis der Dreieinheit ist auch das ganze Geheimnis der Kirche Christi. Hier liegt auch der Kern der priesterlichen Selbstverantwortung: diese großartige Liebe Gottes gegen die Gleichgültigkeit zu verteidigen, zu verkünden. Wehe mir, wenn ich diese Frohbotschaft nicht verkünden würde. Wehe mir, wenn ich dieses Kerygma, diese Siegesbotschaft verschweigen und verraten würde.

Wenn wir uns heute überlegen, wie viele Probleme durch die sogenannte Priesternot entstanden sind und noch entstehen, dann könnte ein Wort von Magr. Otto Mauer aus Wien, dem Wegbereiter des Verständnisses für die Erneuerung der christlichen Kunst in unserer Zeit, vielleicht ein attraktiveres Priesterbild verschaffen: Wenn die jungen Menschen nur wüssten, wieviel FREUDE ich an meinem Priestertum erlebe, so müsste ich fürchten, daβ es ZUVIELE Priesterberufungen geben würde…

Fazit: meine persönliche Erfahrung mit dem Jubilar hat meine Sicht auf das Priestersein bestätigt.  Seine Menschlichkeitsauffassung ist auch Basis für seine Priesterberufung.  Ein gutes Gespür für geistige Erneuerung in der Kirche. Dabei hilft ihm sein großes Herz, das manches versteht, was der bloße Verstand nicht schafft…  Eine Überraschung an Offenheit, wohltuend wie es eine Seltenheit ist. In seiner Person ist deutlich, daβ das hohe Alter ein Beweis der Jugend ist… nicht umsonst redet man von der ewigen Jugend!